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:: Das große Gletscherschmelzen in Tibet

Ein Thema, von dem wir fürchten, dass es bei der Konferenz in Kopenhagen nicht diskutiert wird (ebensowenig wie in Al Gore’s Buch) ist die ökologische Krise in einem anderen Teil der Welt, deren Auswirkungen genauso verheerend sein werden wie die der großen Eisschmelze in der Arktis und Antarktis. Einige Experten bezeichnen dieses Gebiet als den „Dritten Pol“ der Erderwärmung. Es geht um das tibetische Hochland. Rezension des Films “Meltdown in Tibet” von Jamyang Norbu.

Al Gore’s neues Buch „Our Coice: A Plan to solve the Climate Crisis“ (Al Gore: Wir haben die Wahl - Ein Plan zur Lösung der Klimakrise) erschien  gerade rechtzeitig, um noch vor der Klima-Konferenz in Kopenhagen im Dezember  vorzuliegen. Bei den Diskussionen in der dänischen Hauptstadt wird gewiss das  Schmelzen der Eisdecke an den Polen ein wichtiges Thema sein. Am nächsten Tag  wird die Öffentlichkeit dann durch die Medien mit anrührenden Bildern von  Eisbären auf den letzten Eisschollen in einem sonst eisfreien Polarmeer und  verloren dreinblickenden Pinguinen informiert.

 

Ein Thema, von dem wir fürchten, dass es bei der Konferenz nicht diskutiert  wird (ebenso wenig wie in Al Gore’s Buch) ist die ökologische Krise in einem  anderen Teil der Welt, deren Auswirkungen genauso verheerend sein werden wie  die der großen Eisschmelze in der Arktis und Antarktis. Einige Experten  bezeichnen dieses Gebiet als den „Dritten Pol“ der Erderwärmung. Es geht  natürlich um das tibetische Hochland.

 

Gletscher im Himalaya und auf dem tibetischen Hochland schrumpfen dermaßen  rasant, dass sogar ein oder zwei chinesische Wissenschaftler in Panik  gerieten. “Infolge der globalen Erwärmung ziehen sich die Gletscher auf dem  Qinghai-Tibet Plateau großflächig und viel schneller als in jedem anderen  Teil der Erde zurück“, sagte kürzlich Qin Daha, ein ehemaliger Direktor des  chinesischen meteorologischen Instituts. „Kurzfristig wird dies zu einer  Vergrößerung der Seen führen und Hochwasser und Schlammlawinen auslösen.  Langfristig gesehen sind die Gletscher lebensnotwendig für den Wasserhaushalt  von Flüssen wie Indus und Ganges. Wenn sie verschwinden, dann ist die  Wasserversorgung in jenen Regionen gefährdet.“

 

Tibeter und Tibet-Unterstützer wissen sehr gut, dass die drohende und fast  unausweichliche ökologische Katastrophe auf dem tibetischen Hochland nicht  nur das Resultat der globalen Erwärmung ist, sondern in gleichem, wenn nicht  noch höherem Maße eine Folge der extremen Ausbeutung und Zerstörung der  „Berge und Wasserläufe“ (tib. ri-lung) Tibets durch das kommunistische China.

 

Um diese „unbequeme Wahrheit“ über das tibetische Hochland ins Bewusstsein der  Allgemeinheit zu rücken, wurde ein neuer Dokumentarfilm geschaffen, der  einige wichtige, und sehr beunruhigende Fragen aufwirft:

  • Was ist das Schicksal der Quellgebiete der gewaltigen Flüsse in Tibet?
  • Warum verschwinden die tibetischen Nomaden aus dem Grasland?
  • Warum baut China so viele riesige Staudämme auf dem tibetischen  Hochland?
  • Was für eine Auswirkung wird dies auf die flussabwärts lebenden Menschen haben?
  • Was um Himmels willen führen Chinas Ingenieure noch im Schilde?

In seinem 40minütigen Film „Meltdown in Tibet“ verwendet Michael Buckley  geheim gedrehtes Filmmaterial und Kamerabilder, um uns einen aufregenden  Einblick in Chinas gigantische und potentiell katastrophenträchtige  Staudamm-Projekte in Tibet zu geben. Er zeigt uns, wie die tibetischen  Nomaden von ihrem angestammten Land vertrieben werden, um Platz für die  Mega-Staudämme und die Bergbauprojekte zu schaffen. Aber das sei nur die  Spitze des Eisberges, sagt uns der Autor des Films. Was sich drohend  abzeichnet, ist eine Wasserkrise riesigen Ausmaßes, die Millionen von  Menschen in den überbevölkerten Landstrichen von China, Indien, Pakistan,  Bangladesh, Nepal, Vietnam, Thailand, Kambodscha, Burma und Laos in  Mitleidenschaft ziehen wird.

 

Ich kenne Michael Buckley seit den achtziger Jahren, als er Koautor des  ersten Lonely Planet Guide to Tibet war, über den ich eine Rezension für die  Tibetan Review schrieb. Seither ist Buckley in ganz Tibet herumgekommen, sei  es zu Fuß, auf dem Mountain Bike oder im Landcruiser und in seinem Film auf  einem aufblasbaren Floß. Außer dem Lonely Planet Guide hat Buckley noch eine  ganze Reihe von Reisebüchern über Tibet geschrieben, aber seine wachsende  Hauptsorge um die Umweltzerstörung in Tibet und die Vernichtung der Lebensart  seiner Bevölkerung hat ihn dazu veranlasst, diesen Film zu drehen und  herauszubringen. Wenn Peking diesen in die Hand bekommen sollte, wird es  wahrscheinlich das Ende seiner Reisen nach Tibet bedeuten.

 

Der Film wirkt deshalb so unmittelbar und überzeugend, weil Michael Buckley  tatsächlich mit dem Floß die Wildwasser hinabfuhr, von denen er spricht, und  weil er die Qualität dieser größten asiatischen Wasserläufe spektakulär im  Film einfing. Dass er insgeheim einige jener Staudämme filmte, welche die  Chinesen an diesen Flüssen bauen, verleiht dem Dokumentarfilm sozusagen die  richtige Authentizität. Das mag sich hier nach Mäkelei anhören, aber der Film  scheint sein Tempo ein wenig zu verlangsamen, wenn er die Flüsse verlässt und  allgemeine Probleme wie die chinesische Präsenz in Tibet, den tibetischen  Buddhismus und seine Bewahrung behandelt. Nichtsdestotrotz ist „Meltdown in  Tibet“ ein dramatischer, informativer und stellenweise sogar unterhaltsamer  Film, der der Umweltbewegung und der Sache der Tibeter erneut starken Aufwind  geben wird.

 

Michael Buckley bot an, eine DVD des Films an Tibet-Organisationen und  Unterstützer zu schicken, die ihn öffentlich vorführen möchten, um das  Bewusstsein der Leute für die drohende Umweltkatastrophe in Tibet zu wecken.  Weiteres auf der Website. www.MeltdowninTibet.com

 

Aktivisten für die Freiheit in Tibet (Rangzen) könnten den Film und die  Konferenz in Kopenhagen nutzen, nicht nur um die chinesische Plünderung des  Hochplateaus zu geißeln, sondern um deutlich zu machen, dass dieser  unwillkommene Beitrag zur Klimaerwärmung die direkte Folge der chinesischen  Invasion, Besetzung und Ausbeutung Tibets ist. Außerdem waren in der  Vergangenheit, im unabhängigen Tibet, die Nomaden, die Bauern, und sogar die  Regierung verantwortungsbewusste Hüter ihres Landes und seiner unberührten  Natur – ein Umstand, den Buckley in seinem Film immer wieder unterstreicht.  Ich schreibe gerade an einem Essay über traditionelle Anschauungen und die  Praxis des Umgangs mit der Natur im alten Tibet, den ich bald beendet haben  werde und der noch einige Informationen zu diesem speziellen Thema liefern  dürfte.

 

Seine Heiligkeit der Dalai Lama äußerte vor einigen Jahren ungewöhnlich  deutlich zu diesem Thema: „Es ist ungeheuer wichtig, die Öffentlichkeit  darüber zu informieren, dass die Ökologie Tibets einer ganz besonderen  Aufmerksamkeit bedarf. Die Kommunisten beuten die natürlichen Ressourcen  rücksichtslos und aus zwei Gründen aus: Erstens sind sie Ignoranten, und  zweitens ist ihnen alles gleichgültig“.

Quelle:

Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) 2009

Filmreszension von Jamyang Norbu

Übersetzung: Adelheid Dönges | Revision: Angelika Mensching

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