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Interview 7 von 111

:: Deutsche Mobilitätspolitik: "Unberechenbarer kann man nicht agieren"

Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen, sieht in der deutschen Politik in Bezug auf das Thema "Mobilität 2020" klare Verfehlungen. Im Interview mit pressetext konkretisiert der Experte die entscheidenden Treiber für den Erfolg oder Misserfolg künftiger Entwicklungen. Deutliche Kritik übt Dudenhöffer daran, dass das Thema Biokraftstoffe vom ADAC und den Importeuren "kaputtgeschossen" wurde. "Wir werden sicher noch viel von Biogas hören", so Dudenhöffer.

pressetext: Wie sieht "Mobilität 2020" aus Ihrer Sicht aus?

Ferdinand Dudenhöffer: Mobilität 2020 sollte den Aufbruch in eine wirklich neue Zeit der Mobilität in den großen Märkten Westeuropa, USA und Japan signalisieren. Es ist ein wichtige Etappe bei der Elektrifizierung des Antriebsstrangs. Wichtig ist, dass "Mobilität 2020" nicht wie so oft in der Vergangenheit nach ein paar Jahren wieder in der Versenkung verschwindet, so wie etwa all die Ankündigungen zur Brennstoffzelle, zu den Biokraftstoffen oder zu den Gasantrieben.

 

pressetext: Wie kann der Erfolg sichergestellt werden?

Ferdinand Dudenhöffer: Der entscheidende Treiber für den Erfolg liegt in der Politik. In der Vergangenheit wurde Verkehr und Mobilität eher als Jo-Jo-Spiel von den Politikern betrachtet. Langfristige strukturelle Sicherheit - etwa in der Steuerpolitik oder Emissionspolitik - besteht nach wie vor nicht. Bestes Beispiel ist unsere Bundeskanzlerin, die noch letztes Jahr gemeinsam mit dem französischen Präsidenten die Pkw-Richtwerte für CO2 in der EU von 2012 auf 2015 verschoben hat. Unberechenbarer kann man nicht agieren. Wichtig sind in diesem Zusammenhang die Messwerte für den Verbrauch. Wir wissen alle, dass das heutige Messverfahren - der sogenannte NEFZ-Test - nicht realitätskonform misst, sondern die angegebenen Verbrauchswerte um 20 Prozent unter den tatsächlichen Werten liegen. Hier brauchen wir mehr Engagement der Politik, sonst streuen wir uns mit falschen Zahlen Sand in die Augen.

 

pressetext: Wie wird sich die Mobilität bis zum Jahr 2020 verändern?

Ferdinand Dudenhöffer: Das wesentliche Element ist der Hybrid. Die Hybridisierung läuft und wird den Diesel an den Rand drängen. Dabei spielen auch Plug-In-Hybride ihre Rolle. Die reinen Elektrofahrzeuge werden auch 2020 nicht den großen Teil der Neuwagenverkäufe ausmachen, nach unserer Einschätzung sogar weniger als fünf Prozent. Aber der Benzin-Hybrid wird zum Mainstream. Das stellt neue Anforderungen an die deutsche Autoindustrie, die sehr stark im Diesel ihre Wettbewerbsvorteile sieht.

 

pressetext: Wann werden sich die für den Umwelt- und Klimaschutz notwendigen Maßnahmen auch im Automobilsektor entsprechend nachhaltig niederschlagen?

Ferdinand Dudenhöffer: Ich denke, es geht Stück für Stück weiter. Ein wichtiger Termin wird 2015. Dann werden wir den Durchschnittsverbrauch der verkauften Neuwagen in der EU bei 130 Gramm CO2/km haben. Danach geht die Optimierung des Verbrauchs weiter in Richtung 95 Gramm CO2/km. Damit bleiben zwar die Neuwagen gut optimiert, aber der Fahrzeug-Bestand - also jene Fahrzeuge auf unserer Straße - brauchen bis zum Jahr 2030, um dann wirklich die Anforderungen an die Neuwagen ebenfalls zu erfüllen.

 

pressetext: Hybrid oder reine Elektroautos: Was wird sich schlussendlich durchsetzen?

Ferdinand Dudenhöffer: Die Hybridisierung ist sicher nicht aufzuhalten und auch richtig. Aber wir werden in der Zukunft nicht eine goldenen Lösung haben, denn die Motorisierung von Morgen ist ein Puzzle. Brasilien wird wohl weiterhin auf Ethanol setzen, der dort nahezu klimaneutral hergestellt werden kann. Die Rolle von Biokraftstoffen ist in den letzten beiden Jahren zu unrecht an den Rand gedrängt worden. Mit einer dummen Kampagne, weil ein paar alte Autos kein Ethanol vertragen, haben zum Beispiel der ADAC und die Importeure in einer Gemeinschaftsaktion das Thema Biokraftstoffe kaputtgeschossen. Dabei werden wir sicher noch viel von Biogas hören. Also Hybridisierung mit hochaufgeladenen Benzinmotoren, die auch mit Ethanol oder Biogas betrieben werden können, werden wichtig werden. Das reine Elektroauto bleibt lange den Megacitys vorbehalten. Wenn wir in 40 Jahren oder später zu vernünftigen Kosten Wasserstoff aus Sonne und Windkraft gewinnen können, kommt der große Durchbruch des Elektroautos - aber dann nicht mit einer Batterie, sondern als Brennstoffzellenfahrzeug.

 

pressetext: Wird das Auto im Jahr 2050 noch als Auto, wie wir es heute kennen, erkennbar sein?

Ferdinand Dudenhöffer: Das Auto im Jahre 2050 wird eines mit unserem heutigen Auto gemeinsam haben. Es wird genauso emotional sein wie heute und man wird auch morgen viel darüber reden. Darin unterscheidet sich das Auto des Jahres 2050 deutlich von Bussen oder Bahnen des Jahres 2050. Die bleiben wenig emotional. 2050 werden wir neue Antriebe und neue Sicherheitssysteme haben, die es dem 100-jährigen Autofahrer erlauben, sicher unterwegs zu sein. Wir gehen ins teilautonome Fahren, Fahrfehler werden von der Software ausgebügelt. Und wir werden weiter eine Vielzahl an Karosserien haben, die das Design-Element sicher genauso stark betont wie heute. Und eines ist ebenfalls klar: Das Lenkrad bleibt. Der Fahrer bestimmt, wo es langgeht.

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